Studie zur Arbeitssituation von gering Qualifizierten

Ergebnisse der 3. Detailanalyse
Nur Pflichtschulabschluss ist zu wenig: ohne Bildung kein Job
Es wird zunehmend wichtiger, eine (Fach)Ausbildung abzuschließen - gering Qualifizierte kämpft ums (finanzielle) Überleben

Sie sind die ersten, die in Krisenzeiten gekündigt werden, und die letzten, die wieder einen Job finden: gering Qualifizierte, also jene, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen. Und von ihnen gibt es immer noch viel zu viele. In Ostösterreich machen sie sogar rund 38% (NÖ Süd: 40,8%; Burgenland: 35,7%) der Arbeitslosen aus, in Ungarn etwa 33% (Komitat Györ-Moson-Sopron 28,3%; Vas 33,3%; Zala 38,5%). Aus dieser Situation gibt es kaum einen Ausweg: während für die ungarischen gering Qualifizierten eher die finanzielle Not im Vordergrund steht, ist es in Österreich die Frustration, die den Betroffenen zu schaffen macht.

(Weiter)Bildung: ein kaum genutzter Ausweg

Lange Phasen der Arbeitslosigkeit, viele unterschiedliche (frustrierende) Jobs, erfolglose Bewerbungen. Davon sind die Erfahrungen von gering Qualifizierten schon in jungen Jahren geprägt. Eine Frau etwa war erst Blumenbinderin, dann Putzfrau, Verkäuferin, Hand- und Fußpflegerin, Kindergartenhelferin, zuletzt Haushalthilfe. Beendet werden die Dienstverhältnisse in der Regel wegen Betriebsschließungen, Krankheit, Mobbing, Problemen mit den Vorgesetzten. Die kritische Situation ist ihnen bewusst, jeder Job wird angenommen. Dennoch sind Betroffene in Österreich kaum bereit, sich weiter zu bilden. Lernschwierigkeiten und das Gefühl, damit ihre Situation auch nicht zu verbessern, sind der Grund. Im Gegensatz zu jenen in Ungarn: hier wird jede Chance auf Weiterbildung genutzt, nur dass diese oft an finanziellen Möglichkeiten mangels Kursförderung scheitert. Hier ist für viele Schwarzarbeit oft der einzige Weg, das finanzielle Überleben zu sichern. Eine interviewte Person etwa müsste sonst gemeinsam mit ihrer/ihrem LebenspartnerIn mit ca. € 190,- pro Monat an Notstandshilfe ihr Auslangen finden, was bei Lebenserhaltungskosten, die beinahe denen in Österreich entsprechen, unmöglich ist.

Konkurrenz durch Arbeitsmarktöffnung

Die Chance, bei einer Leiharbeitsfirma unterzukommen und auf Vermittlung zu hoffen, wird mit gemischten Gefühlen betrachtet: es ist immerhin eine Alternative, jedoch fühlen sich die meisten ausgebeutet und kämpfen mit schlechten Arbeitsbedingungen. Für einen Job zu pendeln, ist oft eine Frage der finanziellen Ressourcen. Die Bereitschaft dafür wäre vorhanden, vor allem bei den gering Qualifizierten aus Ungarn, die auch weite Wegstrecken für einen Job in Österreich in Kauf nehmen würden – auch wenn sie meinen, dass sie aufgrund ihrer mangelhaften fachlichen und sprachlichen Qualifikationen auch jenseits der Grenze kaum eine Chance auf eine Einstellung haben. Auf österreichischer Seite berichten gering Qualifizierte vor allem im Burgenland von einem Konkurrenzdruck aus Ungarn. Da fachliche Kompetenzen in dieser Gruppe für die Einstellung kaum entscheidend sind, sei es der geringere Lohn, weshalb Unternehmen gerne ungarischen JobanwärterInnen den Vorzug geben.

Download der Studie "Arbeitssituation von gering Qualifizierten im österreichisch-ungarischen Grenzraum" hier
Presseaussendung: hier



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